Astronomie Aktuell:

 

Der Sternenhimmel im Juli 2017

 

von Raoul Fiebig

 

 

Sommerliche Sternenpracht in kurzen N├Ąchten

 

Der Sommeranfang am 21. Juni 2017 liegt erst wenige Wochen zur├╝ck, und entsprechend kurz fallen noch immer die N├Ąchte aus. Auch wenn die Tage nun schon langsam wieder k├╝rzer werden, bleiben dem Sternfreund somit nur wenige Stunden zur astronomischen Beobachtung.

 

Die Szenerie des Sternenhimmels wird nun eindeutig von den Sommerkonstellationen dominiert. Das ber├╝hmte Sommerdreieck, das sich aus den hellen Sternen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler konstruiert, ist hoch im S├╝dosten anzutreffen, w├Ąhrend der unmittelbare S├╝dhimmel recht sternenarm erscheint. Dort breitet sich der ebenso gro├čfl├Ąchige wie unscheinbare Schlangentr├Ąger mit der Schlange aus. Allerdings h├Ąlt sich in dieser Himmelsregion derzeit der gelblich-leuchtende Ringplanet Saturn auf. Bereits in einem guten Feldstecher zeigt sich der zweitgr├Â├čte Planet des Sonnensystems ellipsenf├Ârmig, im Teleskop kann man das Planetenscheibchen und das ber├╝hmte Ringsystem deutlich trennen. Unterhalb des Schlangentr├Ągers trifft man auf den tiefroten Antares, den Hauptstern des Skorpions, der ebenso wie der Schlangentr├Ąger zum Tierkreis geh├Ârt. Allerdings erhebt sich das markante Sternbild in unseren Breiten nicht vollst├Ąndig ├╝ber den Horizont. Der "Stachel" kann erst von weiter s├╝dlich gelegenen Positionen aus ersp├Ąht werden. ├ľstlich des Skorpions verbirgt sich im Sch├╝tzen das Zentrum unserer Milchstra├če, dessen direkter Anblick uns jedoch durch Dunkelwolken verwehrt wird. Auch der Sch├╝tze, der aufgrund seiner charakteristischen Form oftmals auch als "Teekessel" bezeichnet wird, steht auf der Ekliptik.

 

Fr├╝hlingskonstellationen verlassen die Himmelsb├╝hne

 

Hoch ├╝ber dem Kopf des Beobachters plaziert sich der Herkules, dem sich in Nordrichtung der zirkumpolare Drache anschlie├čt. Der bekannte Gro├če Wagen, der im Fr├╝hling in Zenitn├Ąhe stand, schwingt sich nun im Nordwesten hinab, w├Ąhrend sich die letzten Vertreter der Fr├╝hjahrsszenerie allesamt in westlicher Richtung versammelt haben. Der L├Âwe sinkt bereits unter den Horizont, dem die Jungfrau ebenso unwiderruflich entgegenstrebt. Hier f├Ąllt noch der Riesenplanet Jupiter auf, der seine Sichtbarkeitsperiode jedoch zusehends beendet. Lediglich der B├Ąrenh├╝ter kann sich noch hoch im S├╝dwesten behaupten, doch ist seine Glanzzeit f├╝r dieses Jahr vorbei. Den Raum zwischen Jungfrau und Skorpion besetzt die zum Tierkreis z├Ąhlende Waage, die jedoch nur aus schw├Ącheren Sternen besteht.

 

Herbstliche Vorboten am Osthimmel

 

Zwar hat der Sommer gerade erst begonnen, doch tauchen schon im Osten die ersten Vorboten des Herbstes auf. Das gro├če Sternenviereck des Pegasus und die Andromeda stehen bereits ├╝ber dem Horizont, ebenso der Perseus tief im Nordwesten. Und tief am Nordhorizont blinkt die zirkumpolare Kapella im Fuhrmann als einziges Relikt des Winterhimmels. Doch wer m├Âchte im Sommer schon an die kalte Jahreszeit denken?

 

Zu ersten Mal in diesem Monat zeigt sich der Mond am 1. Juli 2017 vor den Sternen der Jungfrau im ersten Viertel, auch zunehmender Halbmond genannt. Der erste Vollmond des Sommers erstrahlt am 9. Juli 2017 tief s├╝dlich im Sch├╝tzen. Das letzte Viertel, der abnehmende Halbmond, wird am 16. Juli 2017 im Walfisch erreicht. Neumond ist am Vormittag des 23. Juli 2017. Zum zweiten Mal steht unser irdischer Satellit am 30. Juli 2017 im ersten Viertel.

 

Kurze N├Ąchte r├╝cken Sonne in den Fokus

 

Am 3. Juli 2017 um 22.00 Uhr MESZ erreicht die Erde den sonnenfernsten Punkt ihrer elliptischen Bahn um unser Zentralgestirn, das sogenannte Aphel. Zu diesem Zeitpunkt trennen uns 152,093 Millionen Kilometer von der Sonne. Die zuweilen ge├Ąu├čerte Vermutung, die irdischen Jahreszeiten hingen mit der Distanz von der Sonne zusammen, ist nicht zuletzt aus diesem Grund unhaltbar. Auch lie├če sich damit nicht erkl├Ąren, warum auf der S├╝dhalbkugel der Erde Sommer herrscht, wenn wir in der n├Ârdlichen Hemisph├Ąre Winter haben. Grund f├╝r die Entstehung der Jahreszeiten ist bekanntlich vielmehr die Neigung der Erdachse gegen├╝ber der Bahnebene unseres Planeten.

 

In der Zeit der kurzen, hellen Sommern├Ąchte r├╝ckt die Sonne in den Fokus vieler Beobachter. Auf unserem Zentralgestirn sind unter Beachtung strenger Sicherheitsma├čnahmen - man darf niemals ungesch├╝tzt in die Sonne schauen - verschiedene interessante Ph├Ąnomene sichtbar. Als Sonnenflecken bezeichnet man dunkle Abk├╝hlungserscheinungen auf der Sonnenoberfl├Ąche, deren Anzahl t├Ąglichen Schwankungen unterliegt. Fackelgebiete hingegen erkennt man als hellere Regionen.

 

Mit einen Spezialger├Ąt (H-Alpha-Filter) ist es zudem m├Âglich, gewaltige Gasausbr├╝che (sog. Protuberanzen) auf der Sonne zu verfolgen. Diese an ├╝berdimensionale Vulkanausbr├╝che erinnernden Ph├Ąnomene erreichen zumeist H├Âhen ├╝ber dem Sonnenrand, die den Durchmesser unserer Erde deutlich ├╝bertreffen.