Astronomie Aktuell:

 

Der Sternenhimmel im Januar 2018

 

von Raoul Fiebig

 

 

Winterliche Sternenpracht und himmlisches Feuerwerk

 

Nachdem in der Silvesternacht das bunte Spektakel des Feuerwerks die Blicke auf sich gezogen hat, kommt es in den folgenden Tagen zu einem "himmlischen" Feuerwerk: In den fr├╝hen Morgenstunden des 4. Januar 2017 erreicht der Meteorstorm der Quadrantiden sein Maximum. Bei dunklen Himmel sind bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde sichtbar, deren Ursprungspunkt im Sternbild des B├Ąrenh├╝ters (Bootes) zu liegen scheint.

 

Wintersechseck dominiert den S├╝dhimmel

 

Die klassischen Winterkonstellationen, allen voran der Himmelsj├Ąger Orion, dominieren den S├╝dhimmel. Nordwestlich der markanten Figur des Orion trifft man auf den Stier mit dem leuchtendroten Hauptstern Aldebaran, w├Ąhrend eine Verl├Ąngerung der "G├╝rtelpartie" Orions zu Sirius im Sternbild Gro├čer Hund weist. Hoch ├╝ber dem Kopf des Beobachters, fast genau im Zenit, leuchtet Kapella im Fuhrmann, und der Blick hinab zum S├╝dosthorizont durchstreift die Sternbilder Zwillinge mit den hellen Sternen Kastor und Pollux sowie den Kleinen Hund mit seinem Hauptstern Prokyon. Aldebaran, Sirius, Kapella, Pollux und Prokyon bilden gemeinsam mit Rigel, dem "rechten Fu├čstern" des Orion, das ber├╝hmte Wintersechseck.

 

Im Westen verabschieden sich langsam aber sicher die Vertreter der Herbstszenerie, allen voran das gefl├╝gelte Pferd Pegasus, dessen Kopf bereits den Horizont unterschritten hat. An das charakteristische Viereck des Pferderumpfes schlie├čt sich, noch hoch am Westhimmel, die Sternenkette der Andromeda an, w├Ąhrend die nur aus schw├Ącheren Sternen bestehenden Konstellationen Fische und Wassermann ihre Abschiedsvorstellung am S├╝dwesthimmel geben.

 

Erste Fr├╝hlingsboten im Osten

 

Und auch wenn gerade tiefster Winter herrscht, steht der L├Âwe als typisches Fr├╝hlingssternbild bereits vollst├Ąndig ├╝ber dem Horizont. In osts├╝d├Âstlicher Richtung schl├Ąngelt sich auch schon die Wasserschlange als weiterer "Fr├╝hlingsbote" am Himmel empor. Das leuchtende Band der Milchstra├če erstreckt sich von S├╝dosten ├╝ber die Sternbilder Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia und Kepheus nach Nordwesten, wo der Schwan noch immer teilweise zu ersp├Ąhen ist. Die helle Wega in der Leier blinkt unterdessen tief am Nordnordwesthorizont. Der ber├╝hmte Gro├če Wagen steht halbhoch am Nordosthimmel. Verl├Ąngert man die hinteren beiden Kastensterne etwa f├╝nfmal, so trifft man auf den Polarstern, die Deichselspitze des Kleinen Wagens. Zwischen diesem eher unscheinbaren Gef├Ąhrt und dem Nordhorizont schlie├člich erstreckt sich der langgezogene Drache.

 

Am fr├╝hen Morgen des 2. Januar 2018 zeigt sich der Mond erstmals in diesem noch jungen Jahr als strahlender Vollmond. Das letzte Viertel, den abnehmenden Halbmond, erreicht der Erdtrabant am 8. Januar 2018 in der Jungfrau. Neumond ist am 17. Januar 2018. Nach dem zunehmenden Halbmond - auch erstes Viertel genannt - kommt es am 31. Januar 2018 zum zweiten Mal innerhalb des Monats zu einem Vollmond, was im englischen Sprachraum als "Blue Moon" bezeichnet wird. Es kommt zwar dann sogar zu einer totalen Mondfinternis, die allerdings von Europa aus unsichtbar bleibt.

 

Der Stier - eines der bekanntesten Wintersternbilder

 

Der Stier (lat. Taurus) gilt als eines der ├Ąltesten Sternbilder - gebildet vor vermutlich mehr als 7.000 Jahren. Ovid wei├č vom G├Âttervater Jupiter zu berichten, der in Gestalt eines wei├čen Stieres die ph├Ânizische K├Ânigstochter Europa entf├╝hrte.

 

Der Kopf der bekannten Himmelskonstellation besteht aus dem V-f├Ârmigen offenen Sternhaufen der Hyaden - auch als Regengestirn bezeichnet, wobei der im Vordergrund befindliche rote Riesenstern Aldebaran eines der blutunterlaufenen Augen des gewaltigen Tieres markiert. Zwei weitere Sterne, von denen der westliche allerdings schon zum Nachbarsternbild Fuhrmann geh├Ârt, markieren die H├Ârner des Stiers, w├Ąhrend die Vorderl├Ąufe lediglich aus schw├Ącheren Sternen gebildet werden.

 

Die ber├╝hmten Plejaden, das Siebengestirn, bildern die Schulter des Tieres. Seit Jahrtausenden ranken sich unterschiedlichste Mythen um diesen markanten offenen Sternahufen mit der wissenschaftlichen Bezeichnung M 45, und beinahe f├╝r jede Hochkultur der n├Ârdlichen Hemisph├Ąre besa├čen die Plejaden irgendeine besondere Bedeutung.

 

Am 4. Juli des Jahres 1054 bemerkten aufmerksame chinesische Astronomen, da├č im Stier ein "neuer Stern" erschienen war. Etwa drei Wochen lang war das hell leuchtende Objekt am Firmament zu erkennen, selbst am Taghimmel. Die fern├Âstlichen Gelehrten sprachen von einem "Gaststern", wie sie ihn in solcher Helligkeit nie zuvor gesehen hatten. Auch vom fernen Nordamerika aus wurde die Leuchterscheinung verfolgt, wie alte Felszeichnungen belegen. Heute wissen wir, da├č damals ein Stern als gewaltige Supernova f├Ârmlich explodierte. Der ├ťberrest dieser "sterbenden Sonne", der Crabnebel M 1, kann im Amateurteleskop als leuchtendes Nebelfleckchen erkannt werden.