Astronomie Aktuell:

 

Der Sternenhimmel im September 2017

 

von Raoul Fiebig

 

 

Mythologische Himmelskonstellationen

 

Langsam aber sicher hĂ€lt der Herbst am Sternenhimmel Einzug. Allerdings zeigt sich bei genauerer Betrachtung des SĂŒdhimmels, dass einige Sommerkonstellationen - allen voran das bekannte Sommerdreieck - gerade erst den SĂŒdmeridian passiert und die Herbststernbilder noch nicht vollends das Zepter ĂŒbernommen haben.

 

Das Sommerdreieck, das sich aus den hellen Sternen Deneb im Schwan, Atair im Adler und Wega in der Leier konstruiert, beherrscht den SĂŒdwesthimmel, wobei Deneb sich inmitten des Milchstraßenbandes fast genau ĂŒber dem Kopf des Beobachters im Zenit befindet. Tief im SĂŒdwesten versinkt der SchĂŒtze bereits wieder unter dem Horizont, und auch der ausgedehnte SchlangentrĂ€ger mit der Schlange gibt seine Abschiedsvorstellung. Der Ringplaneten Saturn verschwindet dort gerade unter dem Horizont. Noch etwas höher trifft man am Westhimmel auf den Herkules und die Nördliche Krone, wĂ€hrend der BĂ€renhĂŒter (Bootes) als letztes klassisches FrĂŒhlingssternbild nun unweigerlich die HimmelsbĂŒhne in Nordwestrichtung rĂ€umen muß.

 

Sternenarmer SĂŒdhimmel und himmlische Sagen

 

Der unmittelbare SĂŒdhimmel prĂ€sentiert sich mit dem unauffĂ€lligen Tierkreissternbild Steinbock recht sternenarm. Nahe des Horizonts leuchtet als einsamer hellerer Stern Fomalhaut im Sternbild SĂŒdlicher Fisch. Blickt man vom Steinbock aus in Richtung Zenit, so trifft man auf den kleinen Delphin. Das prĂ€gnante Herbstviereck, das zugleich den Rumpf des geflĂŒgelten Pferdes Pegasus markiert, plaziert sich in sĂŒdöstlicher Richtung. Im Osten schließt sich die Sternenkette der Andromeda an, in deren NĂ€he außerhalb der stĂ€dtischen Lichterflut der berĂŒhmte Andromedanebel bereits mit bloßem Auge zu erspĂ€hen ist. Das Licht dieser Nachbargalaxie unserer Milchstraße ist ca. 2,5 Millionen Jahre unterwegs, bevor es das Auge des irdischen Betrachters erreicht. Die Andromeda ist Teil der stellaren Sagenwelt: Der Legende zufolge hatten die Königin Kassiopeia und ihr Gatte Kepheus die Götter erzĂŒrnt, und waren somit gezwungen, ihre Tochter Andromeda einem schrecklichen Seeungeheuer, dem Walfisch, zu opfern. Gerade noch rechtzeitig erschien jedoch der Held Perseus und errettete Andromeda, indem er dem UngetĂŒm den abgeschlagenen Kopf der Medusa vorhielt. In der Folge wurden alle Figuren am Himmel verewigt, wo man sie noch heute in Form der Sternbilder finden kann.

 

Vorboten des Winters erklimmen den Osthimmel

 

Die wenig markanten Sternbilder Wassermann, Fische, Walfisch und Widder bevölkern den unteren SĂŒdosthimmel. In ostnordöstlicher Richtung ĂŒberschreitet der Stier mit dem hellen Stern Aldebaran soeben den Horizont und kĂŒndet vom nicht mehr all zu fernen Winter. Auch der in unseren Breiten teilweise zirkumpolare Fuhrmann sowie der Perseus gelten als Vorboten der kalten Jahreszeit. Den Großen Wagen findet man im September nahe des Nordhorizonts, doch steht auch er als Zirkumpolarsternbild dem Himmelsnordpol so nahe, daß er niemals unter den Horizont sinken kann. Wer die hinteren beiden Kastensterne des Wagen fĂŒnfmal vom Horizont weg verlĂ€ngert, trifft auf den Polarstern, der als Hauptstern des Kleinen Wagens zugleich den Himmelspol markiert.

Am Morgen des 6. September 2017 erstrahlt der letzte Vollmond dieses Sommers im Wassermann, wĂ€hrend am Morgen des 13. September das letzte Viertel, der abnehmende Halbmond, nahe Aldebaran im Stier erreicht wird. Neumond ist am Morgen des 20. September in der Jungfrau. Im ersten Viertel, auch zunehmender Halbmond genannt, zeigt sich der Erdtrabant am frĂŒhen Morgen des 28. September 2017 im SchĂŒtzen.

 

Tagundnachtgleiche / Herbstbeginn am 22. September 2017

 

Am 22. September 2017 um exakt 22:02 Uhr MESZ beginnt der astronomische Herbst. Doch wie ist es möglich, diesen Zeitpunkt minutengenau anzugeben, und was verbirgt sich dahinter?

Unsere Erde umrundet in ca. 365 Tagen (entspricht einem Erdenjahr) die Sonne. Bedingt durch die SchrĂ€gstellung der Erdachse gegenĂŒber der Bahnebene unseres Heimatplaneten von 23,5° entstehen die Jahreszeiten. Im Sommer der nördlichen HemisphĂ€re weist der Nordpol der Sonne entgegen. Diese erreicht auf der Nordhalbkugel ihre grĂ¶ĂŸtmöglichen Höhen am Himmel und geht jenseits des Polarkreises um den Sommeranfang herum gar nicht mehr unter. Im Winter verhĂ€lt es sich genau anders herum: Die Sonne steht selbst zur Mittagszeit recht tief am Himmel und die Tage sind entsprechend kurz. Nördlich des Polarkreises herrscht die Polarnacht.

Ähnlich wie auf der Erde gibt es auch am Sternenhimmel ein Koordinatensystem. Dieses kann man sich als das an den Himmel projizierte Koordinatensystem der Erde vorstellen. Der HimmelsĂ€quator verlĂ€uft ĂŒber dem ErdĂ€quator und die Himmelspole sind in VerlĂ€ngerung der irdischen Pole zu finden. Die Ekliptik, die scheinbare Sonnenbahn - tatsĂ€chlich die Umlaufbahn der Erde um unser Zentralgestirn, bildet mit dem HimmelsĂ€quator den bekannten Winkel von 23,5°. Den Zeitpunkt, an dem die Sonne von der Erde aus betrachtet den HimmelsĂ€quator nach SĂŒden ĂŒberschreitet, bezeichnet man als Herbstanfang oder auch Tagundnachtgleiche. Von diesem Tag an sind die NĂ€chte lĂ€nger als die Tage. Zugleich steht die Sonne an diesem Tag ĂŒber dem Äquator im Zenit, also senkrecht ĂŒber dem Beobachter. Drei Monate spĂ€ter, am 21. Dezember 2017, wird sie zur sogenannten Wintersonnenwende den tiefsten Punkt der Ekliptik - 23,5° sĂŒdlich des HimmelsĂ€quators - erreichen. In der Folge werden die NĂ€chte langsam wieder kĂŒrzer.