Astronomie Aktuell:

 

Der Sternenhimmel im November 2017

 

von Raoul Fiebig

 

 

Von Sternenarmut und kommenden Stars

 

Der Monat November l├Ąutet auf der n├Ârdlichen Hemisphere unserer Erde ebenso den Sp├Ątherbst ein wie am Sternenhimmel. Die letzten Vertreter der Sommerszenerie ziehen sich nun unweigerlich zur├╝ck, w├Ąhrend nahezu die komplette Garde der Wintersternbilder am ├Âstlichen Himmel bereits vom unweigerlichen Nahen der kalten Jahreszeit k├╝ndet.

 

Den S├╝ds├╝dwesthimmel nimmt das gewaltige Herbstviereck ein, das zugleich den Rumpf des gefl├╝gelten Pferdes Pegasus bildet, an das sich in ├Âstlicher Richtung die Sternenkette der Andromeda anschlie├čt. Unterhalb dieses auff├Ąlligen Sternbildes trifft man auf die kleinen Sternbilder Dreieck und Widder, von denen letzteres zur Ekliptik geh├Ârt. Den unteren S├╝dhimmel nehmen die ebenfalls zum Tierkreis geh├Ârenden Fische sowie der Walfisch ein. Leider verf├╝gen beide Sternbilder nur ├╝ber schw├Ąchere Sterne, so da├č sie - vor allem in Stadtn├Ąhe - kaum auffallen. Auch der bereits weiter westlich stehende Wassermann zeichnet sich insbesondere durch seine Unauff├Ąlligkeit aus.

 

Sommerdreieck dominiert Westhimmel hartn├Ąckig

 

Tief im S├╝dwesten sinkt der Steinbock bereits unter den Horizont, ebenso wie der untere Teil des Adlers, dessen heller Hauptstern Atair jedoch in Westrichtung noch prominent zu erkennen ist. Zusammen mit Wega in der Leier und Deneb im Schwan bildet er das Sommerdreieck, das noch immer hartn├Ąckig den Westhimmel dominiert. Zu dieser Jahreszeit wirkt der ausgedehnte Schwan wie ein ├╝berdimensionales Kreuz am Himmel, weshalb man ihn auch als Kreuz des Nordens bezeichnet.

 

In ├Âstlicher Richtung haben mit Ausnahme des Gro├čen Hundes bereits alle wichtigen Wintersternbilder Stellung bezogen, um in K├╝rze das Zepter zu ├╝bernehmen. Unterhalb der Zwillinge mit den hellen Sternen Kastor und Pollux ├╝berschreitet Prokyon im Kleinen Hund soeben den Horizont. Die markante Figur des Orion kann nun bereits deutlich in osts├╝d├Âstlicher Richtung ersp├Ąht werden. Noch h├Âher am Osthimmel trifft man auf den Stier mit dem roten Riesenstern Aldebaran und dem Siebengestirn sowie auf den Fuhrmann mit der gelblich leuchtenden Kapella. Zwischen Fuhrmann und Andromeda plaziert sich der Perseus, in dem - in dunklen Gegenden bereits mit blo├čem Auge zu erkennen - der ber├╝hmte Doppelsternhaufen h und chi Persei beheimatet ist.

 

Der Gro├če Wagen weist den Weg

 

Hoch ├╝ber dem Betrachter nimmt das Himmels-W der Kassiopeia den Zenitbereich in Anspruch. Als Zirkumpolarsternbild steht sie dem Himmelspol so nahe, da├č sie in unseren Breiten niemals unter den Horizont sinken kann. In ihrer unmittelbaren N├Ąhe befindet sich auch der Kepheus, dessen Form ein wenig an ein Haus mit spitzem Giebel erinnert. Der ber├╝hmte Gro├če Wagen schlie├člich, der f├╝r uns ebenfalls zirkumpolar ist, schwingt sich nach Durchschreiten des Nordmeridians nun langsam wieder in nordnord├Âstlicher Richtung am Himmel empor. Die hinteren beiden Kastensterne des wohl bekanntesten Sternbildes weisen bei etwa f├╝nfmaliger Verl├Ąngerung vom Horizont weg den Weg zum Polarstern, der zugleich die Deichselspitze des Kleinen Wagens bildet.

 

Am fr├╝hen Morgen des 18. November 2017 wird mit dem Maximum der Leoniden-Meteore gerechnet. Bei guten Beobachtungbedingungen k├Ânnen bis zu 30 sehr schnelle Sternschnuppen pro Stunde gez├Ąhlt werden, die diesem Meteorstrom zuzuordnen sind. Am Morgen des 4. November 2017 erstrahlt der November-Vollmond im Walfisch. Das letzte Viertel, auch als abnehmender Halbmond bezeichnet, wird am Abend des 10. November 2017 nahe dem offenen Sternhaufen Praesepe im Krebs erreicht. Neumond ist in den Mittagsstunden des 18. November 2017, und im ersten Viertel, dem zunehmenden Halbmond, zeigt sich der Erdtrabant am 26. November 2017.

 

Ferne Welteninseln im Beobachtungsfokus

 

Im November stehen zwei besondere Himmelsobjekte in optimaler Beobachtungsposition: Der Andromedanebel M31 und der Dreiecksnebel M33 - zwei bekannte Galaxien. Die mit "M" beginnende Bezeichnung der beiden Milchstra├čensysteme geht auf den den franz├Âsischen Astronomen Charles Messier (1730-1817) zur├╝ck. Beide Objekte z├Ąhlen - wie auch unsere eigene Milchstra├če - zur sogenannten Lokalen Gruppe, einer Ansammlung von mehr als zwei dutzend Galaxien. Mit einem Durchmesser von 220.000 Lichtjahren ist der Andromedanebel das mit Abstand gr├Â├čte und mit einer Gesamtmasse von 1,2 Billionen Sonnenmassen (Sonnenmasse = 1,9884·1030 kg) das nach unserer Milchstra├če massereichste Objekt der Lokalen Gruppe. Der zwischen 2,4 und 2,7 Millionen Lichtjahren von uns entfernte Andromedanebel besitzt mehr als zehn Begleitgalaxien, von denen zwei - als M32 und M110 bezeichnet - bereits im Amateurteleskop sichtbar sind. M31 selbst ist bereits mit blo├čem Auge zu ersp├Ąhen.

 

Der etwa drei Millionen Lichtjahre entfernte Dreiecksnebel M33 ist das drittgr├Â├čte Objekt der Lokalen Gruppe. Seine Masse entspricht ca. 30 Milliarden Sonnenmassen. Aufgrund seiner geringen Fl├Ąchenhelligkeit ist dieses Objekt im Teleskop nur schwer zu finden - ein weniger stark vergr├Â├černdes Fernglas leistet deutlich bessere Dienste. Unter besten Beobachtungsbedingungen ist M33 gar mit blo├čem Auge zu erahnen.